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Mustafa Iskandarani, Renate Soleymany, Dagmar Beiersdorf, vorn: Lothar Lambert 

 

Liebe, Tod und kleine Teufel

1988, 16 mm (1:1,33), Farbe und s/w, 81 Min.

Regie, Buch, Schnitt: Lothar Lambert. Kamera, Ton: Albert Kittler. Produktion: FMT, Lothar Lambert unter Verwendung eines Fernsehspiels des Norddeutschen Rundfunks.

Darsteller: Lothar Lambert, Dagmar Beiersdorf, Renate Soleymany, Mustafa Iskandarani sowie die Darsteller des Films „Gestatten, Bestatter“.

 

Kurzinhalt

Ein tuntiger Kleindarsteller erwartet daheim seine lesbische Freundin, um sich mit ihr Lothar Lamberts „Gestatten, Bestatter!“ im Fernsehen anzuschauen. Aber nicht, daß die kerlige Kollegin eine etwas eigenwillig gestrickt wirkende Frau mitbringt, welche wenig mehr von sich gibt als lautes Gelächter. Auch schneit der türkische Freund des Mannes zu einem überraschenden Besuch herein, beginnt mit der gackernden Frau zu flirten, und der – von dem Schwulen und der Lesbe bissig kommentierte – Film erfüllt ebenfalls nicht die Erwartungen.

 

Inhalt (ENTHÄLT SPOILER) 

Schrifttafel mit dem Filmtitel, dazu hört man eine Uhr schlagen. Auf einem Fernsehbildschirm erscheint der NDR-Ansager Dénes Törzs und leitet ein zur Ausstrahlung des Films „Gestatten, Bestatter!“. [weiter]

 

Lothar Lambert erinnert sich (2009)

1988 haben meine Eltern Selbstmord begangen, und ich war zunächst gar nicht in der Lage, einen richtigen Film zu drehen – das hätte vor mir gelegen wie eine riesige Aufgabe, die ich nicht bewältigen kann. Ich hab dann zuallererst angefangen, aus Filmresten von meiner New-York-Reise Ein-Minuten-Stories zu basteln, sinnloserweise, betitelt „Same Old Stories“. Die möchte ich aber in meiner Filmographie nicht mitgezählt sehen. „Gestatten, Bestatter!“ zu verwerten, bot dann die Gelegenheit, mit einem Drehtag, auf der Couch in Dagmar Beiersdorfs Wohnzimmer, quasi einen neuen Film herzustellen. Das hat natürlich Spaß gemacht, diese Fernsehproduktion zu kommentieren. Und die Tuntenkarikatur zu geben, war für mich schauspielerisch immer das Einfachste. Wobei durch die neue Rahmenhandlung vielleicht auch andere Erwartungen geweckt werden, als die von „Gestatten, Bestatter!“ übernommenen Passagen erfüllen können. Der NDR hatte mir sogar erlaubt, das Negativ von „Gestatten, Bestatter!“ zu zerschneiden, um es für „Liebe, Tod und kleine Teufel“ zu verwenden. Ich hab einen aufwendigen Vertrag mit der NDR-Tochter Studio Hamburg gemacht, und wenn ich an diesem neuen Film etwas verdient hätte, hätten die mitverdient. Aber das war natürlich illusorisch.

Ich war selbst lange Kleindarsteller und hab ganz viele ulkige Sachen erlebt. In meinen Filmen gibt es aber nur selten Komparsen, weil ich mir die nicht leisten kann. Einer von ihnen ist allerdings zu einem Fan geworden: der Autor Detlef Kuhlbrodt. Der hat mir später erzählt, daß er Statist war in der Kreuzberger Disco „Riehmers“, als wir dort die Tanzszenen gedreht haben für „Der sexte Sinn“.

„Liebe, Tod und kleine Teufel“ lief dann auch auf der Berlinale, seltsamerweise, und die Kritiker waren gar nicht so abgeneigt gegenüber dieser Methode, aus etwas Altem etwas Neues zu machen. Ehrlich gesagt, habe ich den Film allerdings nie wieder gesehen. Der ist mir irgendwie unheimlich. Da müßte ich mir ja auch indirekt „Gestatten, Bestatter!“ noch mal mitangucken.

 

Kritische Anmerkungen 

„Nichts umkommen lassen“ könnte ein Motto für Lothar Lamberts Filmarbeit lauten. Zumindest zu Zeiten, da er noch nicht mit Video arbeitete, verwendete er für das fertige Produkt meist so gut wie alles, was gedreht worden war – und nahm, schon aus Kostengründen, jede Einstellung möglichst nur einmal auf. Bei derart ökonomischem Denken liegt es nahe, daß er auch aus der Auftragsarbeit „Gestatten, Bestatter!“, auf die er inhaltlich wie formal nur wenig Einfluß nehmen konnte und bei der bis auf die Nebendarsteller wenig an ein Lambert-Werk erinnert, noch etwas zu machen versuchte (eine Art „Resteverwertung“, wie sie aus anderen Gründen auch „Nachtvorstellungen“ und „Die Liebeswüste“ darstellen). Er kürzte den etwas müd und fad geratenen Versuch einer Schwarzen Komödie auf das Wesentliche zusammen und erdachte eine in Schwarzweiß photographierte Rahmenhandlung, in welcher dieser Farbfilm im Fernsehen betrachtet wird. Die Umsetzung dieser simplen Idee erforderte nur einen einzigen Schauplatz und nur wenige Figuren: Lambert selbst schlüpfte in die Rolle eines schwulen, tuntigen, sich schließlich auch notdürftig als Frau verkleidenden Kleindarstellers, der auf seinen angeblich großen Auftritt in „Gestatten, Bestatter!“ wartet, welcher jedoch von dem – nicht nur dafür – eifrig beschimpften Regisseur Lambert herausgeschnitten worden ist. Letzteres etwas, das in Wahrheit – „nichts umkommen lassen“ – kaum jemals passiert sein oder passieren dürfte und womit Lambert den Zuschauer ebenso in die Irre führt wie etwa in „Die Liebeswüste“ mit gewissen Behauptungen über die Herkunft des gezeigten Filmmaterials. Und wie dort Kritik und Klagen der versammelten Mitarbeiter (genauer: Mitglieder der „Lambert-Family“) nicht so ernst genommen werden dürfen, wie es den Anschein erweckt, so geht auch fehl, wer meint, Lambert gebe in „Liebe, Tod und kleine Teufel“ die Profilneurosen seiner Darsteller und Erfahrungen mit ihnen 1:1 wieder. Seine Werke scheinen eben häufig authentischer, als sie es tatsächlich sind. Schließlich schlüpft hier auch seine langjährige, künstlerische wie private Weggefährtin Dagmar Beiersdorf in die ihr eher fremde Rolle der toughen Lesbe – sicher, um ein Pendant zum tuntigen Gastgeber zu bieten. Derweil die beiden spitzzüngig gegeneinander fechten und gemeinsam gegen den Regisseur giften, gibt Renate Soleymany, durch ihre Körperlichkeit und fast nur laut lachend, die schräge Nummer, und Mustafa Iskandarani verändert die Dynamik innerhalb der kleinen Gruppe allein schon durch seine Anwesenheit. Bezeichnenderweise wirkt die Rahmenhandlung in „Liebe, Tod und kleine Teufel“ bedeutend interessanter, spannender und übrigens auch komischer als die von „Gestatten, Bestatter!“ übernommenen, viel größeren Raum einnehmenden Teile. Und das nicht nur, weil das Film-im-Film-Spiel, die Reflektion über die mit dem Kino verbundenen Wünsche und Wirkungen, in Lamberts Filmschaffen immer wieder auftauchen (allen voran in „Fucking City“, „Blond bis aufs Blut“ und „Verdammt in alle Eitelkeit“) und somit typische, liebgewonnene Elemente seines Gesamtwerks sind.

J.G.