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Ralf Grawe, Evelyn Sommerhoff 

 

Im tiefen Tal der Therapierten

2008, DV, Farbe, 76 Min.

Regie, Buch, Schnitt: Lothar Lambert. Kamera, Co-Schnitt: Albert Kittler. Postproduktion: FMT Studio. Produktion: Lothar Lambert in Coproduktion mit Sange-Film.

Darsteller: Arnfried Binhold, Anne-Marie Chatelier, Ralf Grawe, Dietmar H. Heddram, Claudia Jakobshagen, Lothar Lambert, Hilka Neuhof, Erika Rabau, Karin Reum-Lahrem, Dieter Rita Scholl, Magy da Silva, Evelyn Sommerhoff, Konrad Tidow, Thomas Zetzmann, Daniela Ziemann, Alexander K. als Schädelwaldt sowie Beverly, Juwelia und Zsa Zsa als Gäste und Ingrid Raab als sie selbst.

 

Kurzinhalt

Ein Kabinett von Großstadtneurotikern, denen schwerlich zu helfen ist: Eine nicht mehr ganz junge Frau, die im Radio eine Ratgebersendung macht, sucht selbst regelmäßig Rat bei einem Psychiater, da sie mit ihrer alkoholkranken, aufdringlichen Mutter hadert, mit anonymen Anrufen und mit ihrem Bruder, der seit einem traumatischen Kindheitserlebnis die gemeinsame Wohnung nicht mehr verlassen mag. Ein alternder Künstler ringt nicht nur mit seiner Erfolglosigkeit und seinem Schädelfetisch, sondern auch mit seiner Freundin und seinen Eltern, letztere wohlhabende „68er“, die ihn nicht länger finanziell aushalten wollen. Der Psychiater, bei dem auch er in Behandlung ist, kämpft wiederum mit seiner Mutter, die ständig aus dem Heim flüchtet und die er dann in eine Kammer sperrt, weshalb er schließlich von einem Filmemacher erpreßt wird, und mit seiner frustrierten Gattin und Ex-Kollegin, die wieder in den Beruf einsteigen und – mindestens – die Hälfte seiner Praxis übernehmen will. Ersatzweise vergnügt sich die dominante Dame mit einem, scheinbar kurierten, Ex-Patienten, der sich bei ihr als Gärtner betätigt.

 

Inhalt (ENTHÄLT SPOILER)

Vorspruch: „Der Mensch ist eine nutzlose Leidenschaft. Jean-Paul Sartre“

Eine alte Frau liegt auf der Couch, trinkt Bier aus der Flasche, rülpst, blickt kurz in ein Heft über „Anti-Aging“, legt es dann weg. Sie schaut auf ein Filmbuch, auf ein Album mit Portraits von Filmstars und auf eine Oliver-Kahn-Maske. Sie greift sich diese, beginnt sie zu küssen und sich mit ihr zu befriedigen. Dazwischen der Vorspann. Ein nicht mehr ganz junger Maler in seinem Atelier bei der Arbeit. Eine nicht mehr ganz junge Frau berichtet ihrem Psychiater – der derweil auf seinen Notizblock Herzchen malt, aus denen Penisse wachsen – von ihrer Mutter, die Alkoholikerin sei, öfters nicht ans Telephon gehe, und wenn die Tochter besorgt nach ihr sehe, meckere die Mutter sie an. [weiter]

 

Lothar Lambert erinnert sich (2010)

Es ist ja immer so, daß die Filme sich daraus entwickeln, daß ich das Bedürfnis habe, etwas zu drehen. Und dann geht immer der Blick in den Freundeskreis. Oder es gibt eine neue Bekanntschaft, irgend etwas sticht mir ins Auge, was das Bedürfnis zu filmen koppelt mit einem möglichen Projekt. Mal kann es eine Zeitungsüberschrift sein, mal ist es eine Person, mal irgend­ein Ereig­nis. Bei „Im tiefen Tal der Therapierten“ war es die Bekanntschaft mit Arnfried Binhold, der als Makler die Wohnung meiner verstorbenen Eltern verkauft hat. Zum Dank wollte ich ihm ein Bild von mir schenken, und dabei enthüllte er, daß er früher ein bekannter Galerist vom Ku’damm gewesen war. Daran erinnerte ich mich dann auch. Ich habe ihm DVDs und Videos von meinen Filmen gegeben, er war so interessiert, daß die Bekanntschaft aufrechterhalten blieb. Er signalisierte, daß er auch gerne mal spie­len würde. Für so einen älteren Herrn mit weißen Haaren und seriöser Ausstrah­lung ist eine Psychiaterrolle natürlich hervorragend geeignet. Erika Rabau will ja immer dabei sein, da paßte es vom Alter her ganz gut, daß sie seine Mutter sein könnte. Den anderen Handlungsstrang habe ich mir ausgedacht, um Dieter Rita Scholl zu beschäftigen. Und da er etwas hager ist, wie auch Claudia Jakobshagen, die ich von der Kleinen Nachtrevue kannte, und beide ähnlich alt sind, lag es nahe, sie Zwillinge spielen zu lassen. Evelyn Sommer­hoff hatte ich schon jahrelang versprochen, ihr mal eine Rolle zu geben, weil ich sie interessant fand. Da sie auch als Malerin einen guten Draht zu Binhold hatte, ergab es sich, daß sie seine Ehefrau spielte. Und daß Schä­del­­waldt mit seinen höchst eigenen Verrücktheiten gut einen Patienten abgeben konnte.

Schädelwaldt kannte ich schon ganz lange von Vernissagen. Dann waren er und Christiane Nalezinski ein Paar, sie wollte auch einen Spielfilm mit ihm machen, wo er ein Künstler ist und seine echte Kunst eingebaut wird, ähnlich wie bei mir. Sie haben wohl auch toll angefangen, mit Albert Kittler als Kameramann. Dann haben sie sich aber getrennt und das Projekt lag auf Eis. Obwohl ich immer gesagt habe: Macht das doch trotzdem weiter, es wär doch schade drum. Die Jahre vergingen und irgendwann hat Schädelwaldt mir signalisiert, er rechne nicht mehr damit, daß Christiane das Projekt zu Ende führen würde. Da dachte ich, daß ich keinem wehtue, wenn ich etwas mit ihm was mache. Christiane sieht das natürlich anders, sie hat ja so den Wahn, daß ich ihr alle Schauspieler wegnehme und alle Themen. Dementsprechend stellte sich auch nicht die Frage, ob ich von ihr gedrehtes Material mit Schädelwaldt verwenden könnte. Sie meint auch, wer woanders gespielt hat, ist für sie verbraucht und nicht mehr interessant. Da käme dann nichts Neues mehr. Während ich immer versuche, jeden Schauspieler weiterzuvermitteln. Denn ich beschäftige mich ein ganzes Jahr lang mit einem Film, aber sie haben nur ihre paar Drehtage, dann ist der Spaß für sie vorbei. Da bin ich doch froh, wenn andere Regisseure meine Schauspieler auch so toll finden wie ich und ihnen die Chance geben, genauso gut oder vielleicht sogar besser zu sein als bei mir. Als ob es Zuschauer geben würde, die sagen: „Das hat die Daniela Ziemann oder die Juwelia doch schon bei Lambert gemacht! Und jetzt, ein Jahr, zwei Jahre später noch mal bei Nalezinski, das geht doch nicht!“ So einen Konflikt könnte man vielleicht verstehen bei Fassbinder, aber unter filmischen Laubenpiepern wie uns ist das lächerlich.

Schädelwaldt ist hier deshalb so überzeugend, weil er alles meint und glaubt, was er sagt. Das kommt aus seinem tiefsten Inneren. Die Texte, welche zum Beispiel Magy da Silva vorliest, während sie mit ihm im Bett liegt, sind seine Gedichte. Auf die ist er besonders stolz. Da kann ich nun leider gar nichts mit anfangen. Das nimmt er mir aber nicht übel, weil er sagt, ich sei einfach ignorant, das verstehe ich eben nicht. In der Rolle des unverstandenen Künstlers hat er sich relativ gut eingerichtet. Das eine Gemälde im Film, das von „Luigi“, ist in Wirklichkeit von mir. Binhold alias Dr. George lobt es, und Schädelwaldt nennt es Mist. Was er ja auch wirklich über meine Bilder denkt.

Der Laden von Juwelia, wo Schädelwaldt reingelockt wird, ist wirklich ihr eigener, Galerie Studio St. St. in der Sanderstraße, immer freitags und samstags gibt es abends Programm. Ingrid Raab kam in den Film dadurch, daß Schädelwaldt Karin Reum-Lahrem kennt, die hier die Assistentin von Frau Raab spielt. Karin kennt wiederum Frau Raab, sie hatte bei ihr auch Bilder gekauft. Und Schädelwaldt will natürlich immer Galeristen kennen lernen. Karin hat das dann vermittelt, und Ingrid Raab hat ganz souverän gespielt – zumindest in der Kürzung, die ich vorgenommen habe. Solche Promi-Auftritte sind ja auch immer nur so kleine Bonbons. Der Schädel, den sie im Film von Schädel­waldt geschenkt bekommt, war echt, aus seiner Samm­lung, und die Geschichte, die er dazu erzählt, daß das der Schädel eines 19jährigen Verdun-Gefallenen wäre und er ihn von einem Pfarrer erhalten habe, das ist wohl auch alles authentisch. Frau Raab durfte den Schädel aber nicht behalten, sondern der kriegte noch mehrere Auftritte.

Früher war ich ein absoluter Verächter von Serien. Aber dadurch, daß man die jetzt so schön gebündelt und relativ billig auf DVD kaufen kann und nicht seinen Alltag danach einrichten muß, an welchem Tag die Serie gesendet wird, oder immer darauf achten muß, den Rekorder rechtzeitig zu programmieren, habe ich mich in diese Seriendramaturgie hineingefunden. Außerdem hatte ich das Gefühl, die Figuren aus „Im tiefen Tal der Therapierten“ sind nicht auserzählt. Deshalb drehe ich jetzt eine Fortsetzung, zum ersten Mal in fast vierzig Jahren. Mir gefällt auch, daß man zu Beginn eine Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse machen kann, da habe ich schon zehn Minuten für den neuen Film aus dem alten. Und ich kann immer, wenn die Leute über irgendwas reden, einen Flashback einfügen – das ist natürlich, da ja Schnitt für mich das Tollste ist, eine ganz ungewöhnliche Möglichkeit, mit Material umzugehen. Und auch die Figuren weiterzuentwickeln, Themen, die angerissen wurden im ersten Teil, zu vertiefen im zweiten. Das fand ich reizvoll. Außerdem hatte ich auch gar keine Idee für ein neues Thema, die mich fasziniert hätte.

Da sich Arnfried Binhold bei der Berlinale-Premiere von „Alle meine Stehauf­mädchen“ zurückgesetzt fühlte und die Zusammenarbeit mit mir aufkündigte, konnte ich konsequent die im ersten Teil schon angerissene Geschichte fortsetzen, daß er aufhört zu therapieren und seine Frau die Praxis übernimmt. Von dem bereits mit ihm Gedrehten mußte ich aber nichts „verkommen“ lassen, sondern konnte es in die Hand­lung einfügen. Das ist eben so, wie es schon oft war: Wenn etwas schief geht oder es andere Widerstände gibt, inspiriert mich das noch mehr. Mit „Zurück im tiefen Tal der Therapierten“ ist die Handlung dann aber komplett.

Seine Hauptrolle in den beiden Filmen kriegte Schädelwaldt auch dadurch, daß er am engagiertesten war. So jemand wird dann oft auch im Film am dominan­testen. Wen ich nur schwer kriege oder wer nur wenig Zeit hat, der ist dann eben mit ein, zwei Drehtagen abgefeiert. Dieter Rita Scholl zum Beispiel ist oft nicht da, weil sein Freund in Frankreich arbeitet, und mit ihm sitze ich auch nicht einfach im Café rum und denk mir weitere Sachen für den Film aus. Den muß ich gezielt anrufen: „Ich brauche dich dann und dann.“ Es ist eine andere Situation, ob du mit jemandem locker befreundet bist oder gut, ob du dem jeden Tag erzählst, was du für Probleme mit dem Film hast oder wie er weitergehen soll. Die anderen erwarten einfach, daß, wenn sie kommen, ich die Rolle zumindest im Kopf fix und fertig habe. Am liebsten würden sie auch gar nicht improvisieren, sondern auch noch ein Drehbuch haben. Aber das gibt’s ja bei mir nicht.

 

Kritische Anmerkungen