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Hilka Neuhof, Michael Sittner

 

Aus dem Tagebuch eines Sex-Moppels

2004, DV, Farbe, 77 Min.

Regie, Buch, Kamera, Schnitt, Produktion: Lothar Lambert. Musik, Postproduktion: Albert Kittler.

Darsteller: Michael Sittner, Carl Andersen, Adelheid Buß, Eva Ebner, Ralf Grawe, Hilka Neuhof, Erika Rabau, Magy da Silva, Stefan Stricker, Nilgün Taifun, Thomas Zetzmann, Daniela Ziemann sowie die Band KROFT, der Chor der TAZ, das Ballettstudio Taeger.

Unter Verwendung von Szenen des Carl-Andersen-Films „…lick an apple like a pussy“.

 

Beobachtungen bei den Dreharbeiten zu diesem Film zeigt die Dokumentation „Ich bin, Gott sei Dank, beim Film!“.

 

Kurzinhalt

Ein dicker junger Mann mit einem Faible für Bären (einschließlich Bärchenwurst) hadert mit seinem Gewicht, seinem Leben und insbesondere den Frauen – allen voran seiner Mutter, seiner Schwester, seiner Psychotherapeutin und einer älteren Nachbarin, die ihm unerwünschte Avancen macht. Seine Probleme schildert er seinem Tagebuch und steigert sich immer wieder in aggressive Sexphantasien hinein, in denen er als maskierter Exhibitionist Frauen verängstigt.

 

Inhalt (ENTHÄLT SPOILER)

Vorspruch: „Fett zu sein, bedarf es wenig, doch wer fett ist, wird nie König. Abwandlung eines deutschen Sprichworts“

Eine Hypnose-Vorführung in einem Lokal, beobachtet von einem dicken jüngeren Mann, dem ebenfalls das Bewußtsein zu schwinden droht. Schließlich fällt er in Ohnmacht. Während er nach Hause geht, kommentiert er das Geschehene aus dem Off: „Na bitte, wer war mal wieder die Lachnummer auf der Party? Ich natürlich!“ Er will seinen Job in dem Lokal als Toilettenmann aufgeben. Vor seiner Haustür trifft er eine ältere Dame. Er stellt sich ihr als ihr neuer Nachbar Andreas Wischnewski vor. Sie, Helga Henne, möchte ihn gleich zum Kaffee einladen. „Was die sich einbildet“, bemerkt er aus dem Off, als sie sich voneinander verabschiedet haben. „Ich bin doch nicht von Muttern weg, um bei anderen alten Mädchen lieb Kind zu machen.“ [weiter]

 

Lothar Lambert erinnert sich (2010)

Zumindest die Idee zum Titel kam von diesen „BZ“-Schlagzeilen, die man auch im Film sieht: „Nackter Dicker mit Sturmhaube schockt Eberswalde“ und „Die Polizei auf der Jagd nach dem Sex-Moppel von Eberswalde“. Den nackten Dicken hatte ich ja schon als verdien­ten Darsteller. So hat es sich ergeben, daß es bei mir nach langer Zeit mal wieder eine richtige Hauptfigur gab. Außerdem erlebt der „Sex-Moppel“ viel, so daß viele andere Darsteller mituntergebracht werden konnten. Es geht ja auch immer darum, daß Freunde, die Lust haben mitzuspielen, eine Rolle kriegen. Ich wußte von den vorherigen Filmen, daß Michael Sittner gut spielen kann, daß er nicht schwierig ist beim Drehen, daß er das, was man von ihm will, sehr schnell abliefert. Und daß er keine Probleme damit hat, sich auszuziehen und seinen Körper, der ja nicht unbedingt dem gängigen Schönheitsideal entspricht, dramaturgisch einzu­setzen. Ich dachte sehr wohl, daß ich eine Art Gegenentwurf mache zur „Alptraumfrau“. Ich wollte den Film aber nicht „Der Alptraummann“ nennen. Nicht nur, weil er kein hundert­prozentiges Pendant ist, beim Mann liegen ja auch die Gewichte anders. Der „Sex-Moppel“ träumt ja nicht von schönen warmen Ländern und Anerkennung für sein Aussehen, sondern davon, die Leute zu erschrecken. Man weiß auch bis zum Schluß nicht genau, ob er sich nur reinphantasiert in die Rolle dessen, der da in der Zeitung beschrieben wird, oder ob er das ist. Ich weiß es eigentlich selber nicht.

Daß es zum ersten Mal seit längerem wieder einen Off-Kommentar gab, ist dem Titel des Films geschuldet: „Aus dem Tagebuch eines Sex-Moppels“ – da muß man dann ja das Tagebuch auch einführen. Außerdem ist das natürlich immer ein gutes Mittel, auseinanderdriftende Szenen, die sich nicht unbedingt selbst erklären, ins Korsett des Films einzubinden, Handlungslöcher zu füllen. Das mit eingeblendeten Texten zu machen, finde ich zu akademisch. Ich will ja keinen Kunstfilm machen. Das sieht dann zu sehr nach Alexander Kluge aus.

Die Kamera habe ich selbst geführt. Deshalb sind auch viele Szenen so stark beleuchtet: Ich knall einfach Scheinwerfer hin, weil ich keine Zeit verwende auf „Kunst“. Es war schon anstrengend, das wieder alles allein zu machen, aber von der Zeitpla­nung her war es natürlich einfacher, weil ich mich nicht danach richten mußte, wann mein Kameramann Albert Kittler Zeit hatte. Ich habe mit meiner analogen Videokamera gedreht, die ist natürlich nicht so gut wie seine digitale. Wir haben die Bilder dann umgewandelt in digitale und dadurch die vielen Bildfehler rausgekriegt – vorher hatte das schlimmer ausgesehen als ein abgenudelter Sechzehn-Millimeter-Film. Generell hat sich Albert ja bei der Photographie meinen Wünschen derart angepaßt, daß ich nicht mehr auseinanderhalten kann, welche Aufnahmen er gedreht hat und welche ich. Das ist ja auch gut so, weil man sie dann in einem Film kombinieren kann. Zum Beispiel die Szenen, wo der „Sex-Moppel“ durch einen Zaun Leute beobachtet: Das ist meine Familie, auf dem Gartengrundstück. Das waren Privataufnahmen, die schon existier­ten und die ich für den Film einfach aus meiner Sammlung rausgeholt hab. Oder die Hypnoseveranstaltung zu Beginn: Meine Cousine Beate Kliebenstein hatte ein bekanntes Lokal, „Hühner-Gustl“ in der Grünberger Straße, und bei einer Jubiläums­veranstaltung trat dieser Hypnotiseur auf. Michael war damals natürlich nicht da, den hab ich dann zwischengeschnitten.

Juwelias Auftritt auf dem Motzstraßenfest war ebenfalls echt: Wie sie sich da beschwert, daß sie eine Dreiviertelstunde lang gesungen und dafür nur einen Euro eingesammelt hätte, das ist ihr O-Ton. Michael spielte in der Band KROFT, und das Velotaxifahren war zu der Zeit sein Job. Aber das Faible für die Bärchenwurst habe ich ihm untergeschoben. Von Bären ist ja oft die Rede, das war ein Thema, das sich durch den Film zog. Im Chor der „Taz“ ist Christiane Nalezinski Mitglied gewesen. Der hatte einen Auftritt in einer Alteneinrichtung, da bin ich eben hingegangen und hab gefilmt. Michael war wieder nicht da. Im Film erzählt er ja dann auch nur davon, wie sein Vorsingen mißlungen ist. Das ist eigentlich keine Handlungslücke, die ich durch den Off-Kommentar fülle, sondern ich versuche einfach, Dokumentarmaterial, das nicht von vornherein dazugehört, verwendbar zu machen. Andere hätten vielleicht ein Vorsingen inszeniert. Aber ich nehme gerne den Weg des kleinsten Widerstandes.

Adelheid Buß, die Darstellerin der Schwester des „Sex-Moppels“ war eine Bekannte von Michael, die vorher noch nie gespielt hatte. Falls es ein Kampf war, sie nackt in der Wanne zu filmen, kann ich mich nicht daran erinnern. Mir geht ja ein gewisser Ruf voraus, da weißt du dann schon, wenn du dich zum Mitspielen entschließt: Es ist Underground und womöglich nicht wie ein ZDF-Fernsehspiel. Ich hatte weiter keinen Kontakt mit ihr und Michael, glaube ich, auch wenig. Es war nicht so, daß sie signali­siert hat, daß sie unbedingt weiter bei mir auftreten will. Dann hätte ich mir vielleicht was überlegt. Aber sie ist einfach wieder aus meinem Blickfeld entschwunden.

Thomas Zetzmann hat hier, als Mann vom Fernsehdienst, drei Sätze. Aber da hat er eben gemerkt, daß das nicht sein Ding ist: Ihm ist das sehr schwer gefallen, er ist keiner, dem das Spaß macht. Und dann muß er’s ja auch nicht machen. Die Szene, wo sich Eva Ebner an ihm räkelt, hatte ich für „Ich bin, Gott sei Dank, beim Film“, das Portrait über sie, gedreht. Diese Dokumentation entstand zur gleichen Zeit wie „Aus dem Tagebuch eines Sex-Moppels“, deshalb gab es Überschneidungen und Doppelverwertungen. Ich hab immer gleich gesagt: Laßt uns noch mal das oder das machen, vielleicht kann man es für den „Sex-Moppel“ verwenden. Es war nicht von vornherein klar, welche Szenen wo auftauchen. Diese nachempfunden Edgar-Wallace-Dreharbeiten am Schloß Glienicke erscheinen hier ja noch mal als Alptraum. Die Begegnung zwischen Eva und Erika Rabau auf dem Dampfer haben wir auch gleich genutzt. Und die Szene auf der Kleinen Eiswerderbrücke entstand, nachdem wir nebenan bei den Spandauer Studios gedreht hatten. Da haben wir sozusagen erst die Pflicht erledigt, das Interview mit Eva Ebner, dann waren wir essen, und anschließend haben wir noch die Szene mit ihr und Michael für den Schluß von „Aus dem Tagebuch eines Sex-Moppels“ gedreht. Ich hab in diesem Film ja auch gleich die Collage verwendet, die mir Eva in dem Film über sich schenkt, mit ein paar neuen Gummibären, die Michael rausbricht und aufißt.

 

Kritische Anmerkungen