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Sie ist so ein altes Zirkuspferd

Lothar Lambert zu „Erika, mein Superstar oder Filmen bis zum Umfallen“

 

Erika Rabau hast du ja schon in deinem Film „Alle meine Stehaufmädchen – Von Frauen, die sich was trauen“ kurz portraitiert. Als wir damals, Ende 2009, über diese Dokumentation gesprochen haben, hast du gesagt, du wolltest keinen ganzen Film über sie machen: Dazu wäre sie dir nicht offen genug, weil sie über bestimmte Bereiche ihrer Vergangenheit nicht sprechen will. Jetzt hast du es doch getan. Warum?

Weil ich aus so vielen Filmen so viele tolle Ausschnitte habe, daß ich dachte, auf dem Umweg darüber, durch das, was Erika da freiwillig oder unfreiwillig über sich verrät, kann man doch ein komplexes Bild von ihr schaffen.

Und findest du, daß dir das gelungen ist?

Ich bin soweit sehr zufrieden, weil der Film meiner Meinung nach sehr unterhaltsam geworden ist. Ob sie das Gefühl haben, Erika durch den Film besser kennenzulernen, müssen die Zuschauer entscheiden. Sie ist ja, in vielerlei Hinsicht, eine meiner ältesten Darstellerinnen –

Eine der treuesten!

Wenn man das treu nennen will. Eine, die mich immer wieder gedrängelt hat, daß sie mitspielen will. Das haben andere nie so intensiv gemacht. Sie war auch immer ein Highlight in meinen Filmen.

Wobei sie ja, außer in „In Haßliebe Lola“, stets nur kleine Rollen hatte, oft sogar nur einen einzigen Auftritt.

Die komischen Figuren sind ja in vielen Filmen nicht die tragenden Rollen. Und Erika schafft es eben, mit kurzen Auftritten genauso in Erinnerung zu bleiben wie andere mit großen Rollen. Das ist ja auch eine Leistung. Jenseits von schauspielerischem Können, das ich ihr nun nicht unbedingt unterstellen möchte. So oder so ist sie eine der markantesten Typen aus meinem Umfeld.

Dabei beschwerst du dich immer, daß sie ständig in die Kamera guckt. Das wird ja auch in „Erika, mein Superstar“ thematisiert.

Ja, das ist eben eine Macke, die zu ihr gehört, das kann man ihr auch nicht mehr austreiben. Und dadurch, daß jetzt nicht mehr auf Filmmaterial gedreht wird, sondern auf Video, ist das auch kein Kostenfaktor mehr, sondern nur noch eine Frage des Arbeitsaufwands beim Schneiden.

Als du mit „Erika, mein Superstar“ begonnen hast, gab es schon Samson Vicents abendfüllende Dokumentation „Erika Rabau – Der Puck von Berlin“. Das hat dich nicht gestört?

Nein, da ging’s ja um sie als Photographin, um ihren Beruf. Bei mir geht’s im Grunde um sie und mich: MEIN Superstar. Mich interessiert auch nicht unbedingt, welche kleinen Rollen sie noch bei Fassbinder oder Wenders gespielt hat – worauf sie anscheinend gelegentlich stolzer ist als auf das, was sie bei mir macht. Mich hat interessiert, was ich in ihr entdecken konnte und was sie in meinen Filmen bieten konnte. Das ist teils geprägt von unserer persönlichen Beziehung, wie bei den meisten der Darsteller, die ich häufiger bitte, bei mir mitzumachen, und wo dann so ein familiäres Gefühl entsteht. Erika ist auch eine von denen, die ich nach wie vor regelmäßig treffe, mit der ich essen gehe, meistens mit Michael und Anna, wie es auch im Film zu sehen ist.

Die Szenen mit Rolf Eden hast du ja nicht selbst gedreht, sondern von Samson Vicent, der auch kurz im Bild zu sehen ist, bekommen?

Ja, ursprünglich sollte sich „Der Puck von Berlin“ ja um Erikas Biographie drehen. Weil Erika aber über Teile ihrer Lebensgeschichte keine Auskunft geben wollte, zeigte der Film schließlich nur, wie sie während einer Berlinale ihre Arbeit als Photographin ausübt. Deshalb waren viele Aufnahmen nicht verwendet worden. Davon hat Erika mir erzählt, auch daß ihr das unheimlich peinlich ist dem Rolf Eden gegenüber. Ich fand das auch schade und hab gesagt: Erika, frag doch mal deinen Regisseur, ob ich das Material haben kann. Er war dann so nett, wahrscheinlich auch Erika zuliebe, und hat es mich nach meiner eigenen Fasson verwenden lassen.

Das heißt, du hast das Rohmaterial selbst geschnitten?

Ja, es war nur Rohmaterial.

Nach den Erfahrungen von Samson Vicent und auch deinen eigenen, hast du auch nicht weiter versucht, gegenüber Erika bei bestimmten Dingen weiterzubohren?

Nein, weil ich auch im Gespräch mit Samson Vicent erfahren habe, daß sie sehr unwillig werden kann, wenn man da insistiert. Das ging anscheinend bis zur Drohung, den Film abzubrechen. Das wollte ich natürlich nicht riskieren. Ich hab dann stattdessen andere Mitwirkende aus meinen Filmen und Freunde von uns einfach spekulieren lassen, was ein Mensch aus dieser Generation, mit Hitlerzeit und Exil und was weiß ich was, für Gründe haben könnte, so schweigsam zu sein. Da kann sich ja auch jeder Zuschauer seine eigenen Gedanken machen.

Erika hat den Film inzwischen gesehen und ist nicht verärgert darüber, daß du spekulieren läßt und Anlaß zu Spekulationen gibst?

Nein. Ich hab sie gefragt: Ist das denn alles so richtig? Ihre Antwort war: Na ja, im großen und ganzen. – Jemand, der nichts verrät, kann sich letzten Endes auch nicht beklagen, wenn man etwas offenläßt oder Schlußfolgerungen zuläßt. Wenn sie Spaß daran hat, daß man sich mit ihr als Privatperson beschäftigt, nicht nur als Schauspielerin oder Photographin, kann es eben auch zu Szenen oder Texten kommen, die ihr nicht so gefallen. Aber ich hab das ja nicht kommentiert. Sondern das sind alles Originaltöne, die sie selber gesagt hat oder die andere über sie gesagt haben. Mein indirekter Kommentar sind die Ausschnitte aus meinen Filmen.

In „Erika, mein Superstar“ hast du dich dann auch weitgehend konzentriert auf deine Arbeit mit ihr, auf dein Verhältnis zu ihr …

Das war meine einzige Möglichkeit, ihren Mangel an Offenheit zu einer Qualität für den Film zu machen. Und ich bin zufrieden mit dem, was entstanden ist aus diesem Mangel, den ich jetzt, beim Betrachten des Films, gar nicht mehr als Mangel empfinde. Es ist eben eine andere Art der Annäherung, nicht wie üblich über die Biographie.

Aber sie hätte ja auch einiges über ihr Privatleben in den letzten sechzig Jahren erzählen können.

Das hat sie auch immer nur spärlich getan. Und ich hab mir angewöhnt, da nicht zu stark nachzuhaken, denn so wichtig ist mir dann doch kein Film, daß mein Verhältnis zu ihr dadurch einen Knacks kriegt. Ich hab ihr auch gesagt: Erika, du wirst doch nicht behaupten können, daß ich dir jemals zu nahe getreten bin. Das mußte sie auch zugeben. Und das ist sozusagen mein Programm ihr gegenüber, während ich bei anderen Leuten, denen ich vielleicht auch altersmäßig näher bin, viel frecher bin. Die sind dann aber auch frech mit mir. Erika ist immer ganz lieb.

Wie du an sie geraten bist, wird ja im Film erzählt: durch Bernd Lubowski, den langjährigen Redakteur der „Berliner Morgenpost“ und gelegentlichen Darsteller in deinen Filmen. Und die Bedeutung für diese hat Erika dann dadurch bekommen, daß sie sich immer wieder aufgedrängt hat und zur Verfügung stand.

Zur Verfügung stand sie nicht immer. Sie hat ja viele Reisen gemacht, und sich dann beklagt, daß ich schon gedreht hatte in der Zeit, als sie nicht da war, und daß ihre Rollen dadurch kleiner geworden waren. Aber ich konnte und wollte meinen Lebens- und Filmrhythmus nun nicht auf ihre Mallorca-Urlaube abstimmen.

Mit vielen anderen Darstellern, die in mehreren deiner Filme wichtige Rollen gespielt haben, ist es nach einiger Zeit zum Zerwürfnis gekommen. Manchmal war es auch so, daß dir zu ihnen nichts mehr eingefallen ist, und so wurde die engere Zusammenarbeit beendet oder sogar die Zusammenarbeit vollständig. Mit Erika gab es diese Probleme nie?

Sie ist einfach so ein altes Zirkuspferd, sie braucht diese Filmerei, sie braucht den Trubel, und da wär es ihr sogar egal, wenn ich sie schlecht behandeln würde, Hauptsache, die Kamera läuft.

Vermutlich hat sie aber auch keine großartigen Erwartungen in die Folgen der Filmarbeit mit dir gesetzt. Ich habe den Eindruck, bei nicht wenigen Leuten, die sich im Laufe der Zeit von dir abgewandt haben, hat das auch damit zu tun, daß sie große Erwartungen hatten, wie das Filmen mit dir ihre Karriere begründen oder voranbringen könnte.

Dazu ist Erika einfach zu sehr gefestigt in ihrem Photographenleben. So kann sie das Filmen wirklich als Hobby, das sie begeistert, empfinden. Sie ist eben auch realistisch. Und sie hat selber dazu beigetragen, was sie konnte, um meine Filme bekannt zu machen. Hat mit Heinz Badewitz gesprochen, ist früher mit Lubowski nach Israel gereist, mit Filmrollen von mir unterm Arm, „Faux Pas de deux“ und „Nachtvorstellungen“, die sie dann in der Kinemathek in Tel Aviv gezeigt und mit dem Publikum diskutiert haben.

„Erika, mein Superstar“ ist aber auch ein Abschied von Erika vor der Kamera, zumindest insofern, als du gesagt hast, du möchtest keine Spielfilme mehr drehen.

Ja, ich kann Erika höchstens noch einmal zu irgendeinem anderen Thema interviewen. In meinem nächsten Film soll es um West-Berlin gehen, da hat sie ja auch einiges zu erzählen.

 

 

Das Gespräch wurde am 3. Juli 2015 geführt von Jan Gympel.